Die nachstehenden Zitate entstammen aus der Bücherreihe „Home Education“ von Charlotte Mason (1842-1923). Sie sollen zum Nachdenken anregen, müssen aber auch im Kontext zu Miss Masons Gesamtwerk betrachtet werden! (aus dem Englischen übersetzt und zum besseren Verständnis leicht abgeändert.)

Lernatmosphäre

  • „Nun, die Arbeit, welche für die Gesellschaft die grösste Bedeutung hat, ist die Erziehung und der Unterricht der Jugend in der Schule. Noch wichtiger aber, erscheint mir, ist die Erziehung zu Hause, denn die häuslichen Einflüsse, die sich bei dem Kind geltend machen, bestimmen massgeblich den Charakter und die Laufbahn des Kindes und haben somit Einfluss auf den zukünftien Mann oder zukünftige Frau. Vater oder Mutter zu sein, ist eine grosse Sache; keine Würde, keine Rangerhöhung ist mit dieser verantwortungsvollen und schönen Aufgabe zu vergleichen. Ein einziges Kind, das Eltern pflegen und hegen, kann ein Segen für die Welt werden! Ist den Eltern aber ein solches Gut anvertraut, dann sind sie nicht berechtigt zu sagen: „ Ich kann mit meinem Sohn oder meiner Tochter machen, was ich will."... Kinder sind tatsächlich nicht als persönliches Eigentum, sondern als anvertrautes Gut zu betrachte“... Mit "Education is a Life and an Atmosphere", ist gemeint, dass das Kind die von den Eltern ausgehende Atmosphäre, nämlich die der Ideen, welche deren eigenes Leben beherrschen, aufnimmt, ja sozusagen einatmet.  
  • Die wichtigste Regel  in der Benutzung der Atmosphäre als Erziehungsmittel ist wohl, schreibt C.M.: „...wahrscheinlich diejenige, dass kein künstliche Atmosphäre geschaffen werden muss - kein „Berieseln mit Rosenwasser und kein Auspolstern mit Kissen ist nötig. Wir wollen keine Gewächshaus-Kinder grossziehen! Kinder müssen dem Leben begegnen können, wie es es ist. Sie haben zum Beispiel ein Gespür dafür, wenn etwas in der Luft liegt, sich ihre Eltern über etwas sorgen und beunruhigt sind. So heisst es dann etwa: „Mutter, Mutter, dieses Mal wirst du aber nicht weinen, oder?“, und mit einer Umarmung versucht das Kind, die Sorgen wegzunehmen...Es ist nicht klug, dem Kind eine Schutzglocke überzustülpen und Gefahr zu laufen, es unter dieser zu "ersticken". So wird es verwöhnt und verweichlicht und lernt dabei nicht, mit Problemen umzugehen. In einer realistischen Atmosphäre lernt das Kind für sein Leben. Die natürliche Atmosphäre hat einen erzieherischen Wert." (Charlotte Mason: Philosophy of Education)
  • "Ein Kind wird verdummt, wenn man seine Umgebung auf ein kindliches (oder sogar auf ein kindisches) Niveau herabdrückt." (Charlotte Mason: Home Education)

 

Gewohnheiten

  • „Wir haben die Tatsache aus den Augen verloren, dass Gewohnheiten für das Leben wie Gleise für Lokomotiven sind. Diese Geleise der Angewohnheiten sollten wohlbedacht, zielgerichtet  und sorgsam angelegt werden.. Denn Gewohnheiten sind unvermeidbar! Wenn wir das Leben nicht durch das Bilden von Gewohnheiten vereinfachen, werden sich Angewohnheiten des Falschdenkens und Falschhandelns von alleine festsetzen.“ (Charlotte Mason: Home Education)
  • „Wenn es um die Heranbildung von guten und hilfreichen Gewohnheiten geht, führt kein Weg um "Disziplin" herum. Allerdings müssen wir die Gewohnheiten gewissermassen von innen aufbauen; Selbstdisziplin ist ein Schlüssel zu guten Gewohnheiten. Weil jede gute Gewohnheit aus einem inneren Kampf resultiert, ist eine gewisse Anstrengung notwendig! Schlechte Gewohnheiten eines einfachen, bequemeren Lebens erscheinen uns stets angenehmer und überzeugender, sodass ihnen nur mit viel Mühe widerstanden werden kann. Wir sind so geschaffen, dass wir ( Erwachsenen und Kinder) sowohl physische wie auch geistige Gewohnheiten aufbauen können…“ (Charlotte Mason: Parents and Children)
  • „Der Macht der Gewohnheiten wird allzu oft zu wenig Bedeutung beigemessen: Wir denken, wie wir zu denken gewohnt sind, und deshalb handeln wir, wie wir zu handeln gewohnt sind." (Charlotte Mason: Home Education)

 

Ideen

  • „Wir wissen, dass es ein Vorratshaus des Gedankens gibt, in dem wir alle grossen Ideen finden, welche die Welt bewegt haben. Wir sind vor allen Dingen darauf aus, dem Kinde den Schlüssel zu diesem Vorratshaus zu geben… Wir wünschen, dass die Kinder heranwachsen, um Freude an Büchern zu haben und Erfrischung in ihnen zu finden.“ (Charlotte Mason: Home Education)
  •  „Wir sind der Ansicht, das Kinder die "geistigen Kräfte" besitzen, die es befähigen, alle geeigneten Kenntnisse selbst aufzunehmen. Wir müssen ihnen  dieselben in freigebigster Weise vermitteln und nur Sorge tragen, dass der ihm gebotene Lernstoff lehrreich und lebendig ist, sie also mit sog. "living ideas" versorgen. Erziehung und Bildung (Education) ist die Wissenschaft der Beziehungen: denn ein Kind ist selbst fähig, zu vielen Dingen und Gedanken in Beziehung zu treten. Wir können es z.B. zu körperlichen Übungen, zu Handfertigkeiten anhalten; es in die wissenschaftlichen Fächer, in die Gesetze der Mathematik und in die Kunst einführen; die Liebe zur Natur und zu guten Büchern in ihm wecken... Denn wir wissen, es obliegt uns nicht, Kinder über alles zu belehren, sondern wir sollen ihm vielmehr behilflich zu sein, ein reiches Beziehungsleben zu vielen Dingen und Gedanken aufzubauen.(Charlotte Mason: School Education)