Wer war Charlotte Mason?

Die bei uns eher unbekannte britische Pädagogin Charlotte Mason (1842-1923) zählt zu den Pionieren des Erziehungs- und Bildungswesen des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Wie auch Maria Montessori, eine Zeitgenossin Masons, war sie Teil der Reformbewegung von 1890-1919. Das Erbe Rousseaus und Pestalozzis war Ausgangspunkt dieser pädagogischen Erneuerung. Sie entwickelte mit ihrer 30-jährigen Erfahrung im Bildungswesen eine eigene Pädagogik und forderte mit ihren progressiven Ideen die damalige, sich im Wandel befindende Gesellschaft heraus.

Ihre Erkenntnisse gab sie zuerst in Vorträgen an Eltern weiter. Später schrieb sie dies in einem sechsbändigen Werk mit dem Namen „Home Education“ nieder. Ihre Gedanken begeisterten nicht nur Eltern, mit denen sie eine Elternorganisation, die Parents National Education Union (PNEU), gründete, sondern auch Lehrpersonen. Sie entwickelte wie viele andere Pädagogen Grundlagen für Schulen und publizierte Lehrbücher und Lehrpläne. Ferner führte sie weltweit eine Korrespondenz mit Schulen, die nach ihren Ideen unterrichteten ( ca. 300) und stand am Ende ihres Lebens zahlreichen Bildungs- und Erziehungsverantwortlichen beratend zur Seite. Dies, nachdem sie vorher nach dreissigjähriger Unterrichts- und Lehrtätigkeit im Alter von 50 Jahren in den nordenglischen Lake District, nach Ambleside gezogen war und dort das Lehrerinnenausbildungsinstitut «House of Education» gegründet hatte. Charlotte Masons Gütesiegel ist, dass sie ihre Pädagogik und Methodik selbst im Schulalltag umgesetzt hat. Sie begnügte sich nicht mit "intellektueller Akrobatik" und Gedankenexperimenten, sondern stellte ihre Theorien in der Praxis auf die Probe. Interessanterweise hält ihre bereits vor über 100 Jahren entwickelte Lerntheorie neuesten neuropsychologischen Erkenntnissen stand. Hauptpunkte ihrer Pädagogik und Methodik, die uns in der heutigen Zeit nicht unbekannt und immer noch wesentlich sind, fasst Miss Mason einfach und prägnant wie folgt zusammen:  

  • Kinder sind einmalige Persönlichkeiten (A Child is a Person).
  • Der Einfluss der Atmosphäre/Umgebung, die das Kind umgibt ist prägend (Education is an Atmosphere).
  • Gewohnheiten bestimmen unser Leben (Education is a Discipline).
  • Wir lernen durch Ideen und Beziehungen (Education is a Life, a Science of Relations).